Sprachliche Vielfalt gezielt fördern – Vorläuferfähigkeiten im Blick
Lesen- und Schreibenlernen beginnt lange vor dem ersten Buchstaben.
Die sogenannten Vorläuferfähigkeiten sind zentrale Voraussetzungen für den erfolgreichen Schriftspracherwerb – besonders bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern. Zu diesen gehören insbesondere die phonologische Bewusstheit, die Benennungsgeschwindigkeit, das phonologische Arbeitsgedächtnis sowie Wort-, Satz- und pragmatische Bewusstheit 1Füssenich, I. (2012). <em>Vom Sprechen zur Schrift beim Übergang von der Kita in die Schule.</em> MitSprache, 3, 5–16. 2Ennemoser, M., Marx, P., Weber, J., & Schneider, W. (2012). <em>Spezifische Vorläuferfertigkeiten der Lesegeschwindigkeit, des Leseverständnisses und des Rechtschreibens.</em> Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 44, 53–67.3Mayer, A. (2022). <em>Gezielte Förderung bei Lese- und Rechtschreibstörungen.</em> Reinhardt / UTB..
Mehrsprachigkeit als Ressource
Ein reichhaltiger Wortschatz – in allen Sprachen des Kindes – unterstützt sowohl die phonologische Bewusstheit als auch das Arbeitsgedächtnis 10Haber, O. (2022). <em>Wortschatzarbeit motivierend gestalten.</em> passage gGmbH.11Oomen-Welke, I. (2024). <em>Wortschatz für DaZ/DaF.</em> In Z. Kalkavan-Aydın (Hrsg.), <em>DaZ/DaF Didaktik</em> (2. Aufl.). Cornelsen.. Damit wird deutlich: Sprachliche Vielfalt ist keine Hürde, sondern eine Ressource, die gezielt in der Förderung berücksichtigt werden sollte.
Zentrale Vorläuferfähigkeiten
Förderung im Unterricht
Eine effektive Förderung mehrsprachiger Kinder setzt frühzeitig an. Besonders geeignet sind Methoden, die phonologische und lexikalische Prozesse kombinieren 12Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. (2021). <em>Lehrplan Deutsch für die Primarstufe.</em> QUA-LiS NRW..
Eine schriftorientierte Sprachförderung, die Graphem-Phonem-Korrespondenzen explizit vermittelt, ist vor allem für Kinder wichtig, deren Erstsprachen andere Schriftsysteme nutzen. So werden die Grundlagen für erfolgreichen Schriftspracherwerb und mehrsprachige Bildung gelegt. Eine schriftorientierte Sprachförderung, die Graphem-Phonem-Korrespondenzen explizit vermittelt, ist vor allem für Kinder wichtig, deren Erstsprachen andere Schriftsysteme nutzen. So werden die Grundlagen für erfolgreichen Schriftspracherwerb und mehrsprachige Bildung gelegt.
Anlautidentifizierung, Phonemsynthese und Phonemsegmentierung
Kontrastive Sprachvergleiche
Training der Benennungsgeschwindigkeit
Gezielte Wortschatzarbeit
Vertiefende Informationen, konkrete Methoden und Materialien finden Sie im Praxispaket Mehrsprachigkeit (PPM):
Wortschatzarbeit im Grundschulunterricht
Sprache ist der Schlüssel zu Bildung und Teilhabe – und im Zentrum dieser Sprache steht der Wortschatz. Ohne ihn „geht nichts“19Bohn, R. (2000). Probleme der Wortschatzarbeit. Berlin: Langenscheidt.. Ein differenzierter Wortschatz ermöglicht Kindern, ihre Umwelt zu verstehen, sich mitzuteilen, zu lesen, zu schreiben – und erfolgreich zu lernen20Oomen-Welke, I. (2024). Wortschatz für DaZ/DaF. In Z. Kalkavan-Aydın (Hrsg.), DaZ/DaF Didaktik (2., überarb. Auflage). Cornelsen.21Juska-Bacher, B., Beckert, C., Stalder, U., & Schneider, H. (2016). Die Bedeutung des Wortschatzes für basale Lesekompetenzen. https://doi.org/10.25656/01:1693822Wildemann, A., & Merkert, A. (2020). Sprachdiagnose, Sprachförderung und Sprachbildung – Grundlagen, Methoden und Praxis. Klett Kallmeyer. Treffend formuliert Steinhoff (2009a): Der Wortschatz ist die „Schaltstelle für den schulischen Spracherwerb“23Steinhoff, T. (2009a). Der Wortschatz als Schaltstelle des schulischen Spracherwerbs. Didaktik Deutsch, 27, 33–52..
Lehrkräfte gestalten diesen Prozess täglich und verfügen bereits über umfassendes Wissen darüber, wie Kinder Sprache erwerben und anwenden. Die folgenden Informationen möchten ihre Expertise nicht ersetzen, sondern vertiefen – und sie bei der gezielten Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler unterstützen.
Zentrale Aspekte des Wortschatzes
Dabei unterscheidet man:
- Rezeptiver Wortschatz – Wörter, die verstanden, aber nicht selbst verwendet werden.
- Produktiver Wortschatz – Wörter, die aktiv genutzt werden.
- Potenzieller Wortschatz – Wörter, die sich aus Bekanntem erschließen lassen, z. B. „Schneeball“ aus „Schnee“ und „Ball“26Ulrich, W. (2011). Das Verhältnis von allgemeiner Sprachkompetenz und Wortschatzkompetenz. In I. Pohl & W. Ulrich (Hrsg.), Wortschatzarbeit (S. 127–132). Schneider Verlag Hohengehren.27Juska-Bacher, B., & Jakob, S. (2014). Wortschatzumfang und Wortschatzqualität und ihre Bedeutung im fortgesetzten Spracherwerb. Zeitschrift für Angewandte Linguistik, 61(1), 49–75.
Ebenso wichtig ist die Qualität des Wortschatzes. Sie zeigt sich in drei Dimensionen:
- inhaltlich (Bedeutung und Nuancen),
- formal (Aussprache, Wortbildung, Grammatik),
- relational (Beziehungen wie Synonyme oder Antonyme) 28Ulrich, W. (2022). Begriffsklärungen: Wort, Wortschatz, Wortschatzarbeit. In I. Pohl & W. Ulrich (Hrsg.), Deutschunterricht in Theorie und Praxis – Wortschatzarbeit (3., aktualisierte Auflage, S. 33–49). Schneider Verlag Hohengehren..
Alle neuen Wörter werden im mentalen Lexikon netzwerkartig gespeichert und mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft 29Kühn, P. (2007). Rezeptive und produktive Wortschatzkompetenzen. In H. Willenberg (Hrsg.), Kompetenzhandbuch für den Deutschunterricht. Schneider Verlag Hohengehren.30Oomen-Welke, I. (2024). Wortschatz für DaZ/DaF. In Z. Kalkavan-Aydın (Hrsg.), DaZ/DaF Didaktik (2., überarb. Auflage). Cornelsen.. Je umfangreicher der Wortschatz, desto dichter sind die Verbindungen – und desto leichter lassen sich neue Wörter erwerben.
Studien zeigen: Der Wortschatzumfang unterscheidet sich bei Grundschulkindern teils um bis zu sechstausend Wörter – mit direkten Auswirkungen auf ihren Bildungserfolg 31Scott, C. M., et al. (1992, zit. nach Owens, 2012). Language Development: An Introduction.32Kurtz, G. (2012). Bildungswortschatz trainieren – Robusten Wortschatz aufbauen. In S. Merten & K. Kuhs (Hrsg.), Perspektiven empirischer Sprachdidaktik (S. 71–90). WVT.. Wortschatzarbeit ist daher keine Zusatzaufgabe, sondern Kern des Unterrichts.
Wortschatzförderung im mehrsprachigen Kontext
Mehrsprachig aufwachsende Kinder begegnen unterschiedlichen sprachlichen Anforderungen – zu Hause, in der Schule, im Freundeskreis. Ihre Wortschätze sind oft sprachspezifisch verteilt: Für manche Bereiche (z. B. Familienbegriffe) verfügen sie über Begriffe in ihrer Erstsprache, für andere (z.B. Schulsachen) in ihrer Zweitsprache Deutsch 33Klassert, A., & Kauschke, K. (2014). Semantisch-lexikalische Entwicklungsstörungen bei mehrsprachigen Kindern und Intervention. In S. Chilla & S. Haberzettl (Hrsg.), Handbuch Mehrsprachigkeit (S. 121–133, 173–181). Elsevier.34Rinker, T., Budde-Spenger, N., & Sachse, S. (2016). The relationship between L1 and L2 lexical development in young Turkish-German children. International Journal of Bilingual Education and Bilingualism, 20(2), 218–233.. Wichtig: Ihr Gesamtwortschatz über alle Sprachen hinweg ist meist größer als der einsprachig aufwachsender Kinder 35Paradis, J., Genesee, F., & Crago, M. B. (2021). Dual Language Development and Disorders: A Handbook on Bilingualism and Second Language Learning (3rd ed.). Paul H. Brookes Publishing Co.. Damit dieser „Schatz“ wirksam wird und weiterwächst, braucht es im Unterricht:
Einbettung neuer Wörter in authentische Kontexte
Verknüpfung mit Weltwissen und Erstsprache
Viele Wiederholungen in variierenden Kontexten
Lernen mit allen Sinnen
Ein bewährtes Vorgehen ist der didaktische Dreischritt 42Feilke, H. (2009). Wörter und Wendungen: Kennen, können, lernen. Praxis Deutsch, 218, 4.43Kühn, P. (2010). Sprache untersuchen und erforschen. Cornelsen Scriptor44Decker-Ernst, Y., & Oomen-Welke, I. (2024). 1000 Wörter Basiswortschatz Deutsch für die Grundschule – Wortschatzvermittlung in Erst- und Zweitsprache. Filibach.:
Didaktischer Dreischritt
- Semantisierung – Wörter einführen, erklären, mit Bedeutung füllen.
- Speichern und Vernetzen – Wörter mit bereits Bekanntem verknüpfen und systematisieren.
- Reaktivieren und Anwenden – Wörter aktiv im Sprechen und Schreiben nutzen.
So gelingt nicht nur eine Erweiterung, sondern auch die nachhaltige Festigung des Wortschatzes.
Vertiefende Informationen, konkrete Methoden und Materialien finden Sie im Praxispaket Mehrsprachigkeit (PPM).
Rechtschreibung im mehrsprachigen Klassenzimmer
Was die Forschung zeigt
Der Erwerb der Rechtschreibung ist für viele Kinder herausfordernd und hängt von unterschiedlichen sprachlichen und sozialen Faktoren ab. Aktuelle Studien zeigen: Mehrsprachigkeit ist keine Belastung für das Rechtschreiben, sondern eröffnet – bei gezielter Förderung – zusätzliche Lernchancen. Entscheidend sind sprachstrukturelle Kompetenzen wie die phonologische und morphologische Bewusstheit, der Wortschatz und die Grammatikkenntnisse45Ruppert, C., & Hanulíková, A. (2022). <em>Die Rechtschreibleistung ein- und mehrsprachiger Schüler:innen: Fehlerraten und Fehlerarten.</em> In K. Nimz et al. (Hrsg.), <em>Mehrsprachigkeit und Orthographie.</em> Schneider Verlag Hohengehren.46Bachmann, A., & Nimz, K. (2025). <em>Schriftsprachliche Entwicklung ein- und mehrsprachiger Schüler:innen am Beispiel von Orthographie und Leseverständnis.</em> <em>Zeitschrift für Interkulturelle Forschung</em>, 30(1), 237–266.. Mehrsprachige Kinder verfügen oft über eine ausgeprägte metasprachliche Sensibilität – sie reflektieren Sprache, vergleichen Strukturen und erkennen Muster 47Cummins, J. P. (2000). <em>Language, Power and Pedagogy: Bilingual Children in the Crossfire.</em> Multilingual Matters.48Gogolin, I. (2009). <em>Mehrsprachigkeit und Bildung.</em> Waxmann.. Zugleich können Unterschiede zwischen den Schriftsystemen oder Lautinventaren der Sprachen spezifische Fehlerquellen schaffen, z. B. bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung oder Morphologie 49Grießhaber, W. (2020). <em>Mehrsprachigkeit in der Schule: Herausforderungen und Chancen.</em> <em>Zeitschrift für Pädagogik, 66</em>(3), 210–224.50Müller, H. G., & Schroeder, C. (2022). <em>Zum Einfluss der Erstsprache auf orthografische Kompetenzen in Deutsch als Zweitsprache.</em> In K. Nimz et al. (Hrsg.), <em>Mehrsprachigkeit und Orthographie.</em> Schneider Verlag Hohengehren..
Mehrsprachigkeit als Ressource nutzen
- Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Erst- und Zweitsprache sichtbar machen,
- zweisprachige Materialien einsetzen,
- mehrsprachige Wortlisten oder Übersetzungsübungen nutzen.
Solche Ansätze stärken nicht nur die sprachliche Bewusstheit, sondern fördern die Wertschätzung sprachlicher Vielfalt – ein entscheidender Baustein für gelingende Lernprozesse 51Cummins, J. P. (2000). <em>Language, Power and Pedagogy: Bilingual Children in the Crossfire.</em> Multilingual Matters.52Ruppert, C., & Hanulíková, A. (2022). <em>Die Rechtschreibleistung ein- und mehrsprachiger Schüler:innen: Fehlerraten und Fehlerarten.</em> In K. Nimz et al. (Hrsg.), <em>Mehrsprachigkeit und Orthographie.</em> Schneider Verlag Hohengehren..
Zentrale Einflussfaktoren und Förderansätze
Rechtschreibung ist mehr als das Einprägen von Wortbildern – sie basiert auf einem Verständnis sprachlicher Strukturen. Besonders wichtig sind daher folgende Bereiche:
Phonologische Bewusstheit
Morphologische Bewusstheit
Benennungsgeschwindigkeit (RAN)
Wortschatz und Grammatik
Vertiefende Informationen, konkrete Methoden und Materialien finden Sie im Praxispaket Mehrsprachigkeit (PPM):
Leseförderung im mehrsprachigen Klassenzimmer
Leseförderung gehört zum Herzstück Ihrer täglichen Arbeit. Sie begleiten Kinder beim Aufbau zentraler Lesefertigkeiten, fördern Lesefreude und gestalten mit großem Engagement sprachlich vielfältige Lernumgebungen.
Ganzheitliche Leseförderung: Lesen mit allen Sinnen
Eine wirksame Leseförderung verbindet kognitive, sprachliche und motivationale Aspekte des Lernens. Sie umfasst sowohl Vorläuferfähigkeiten (z. B. phonologische Bewusstheit, Graphem-Phonem-Korrespondenz) als auch Leseflüssigkeit und Leseverstehen 60Rosebrock, C., & Nix, D. (2020). Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung. Beltz.61Gailberger, C. (2021). Lese- und Schreibförderung in der Grundschule. Kallmeyer.. Im mehrsprachigen Klassenzimmer profitieren Kinder besonders von einer vernetzten Förderung, die an ihren individuellen Stärken ansetzt62Kutzelmann, S., Neumann, P., & Gold, A. (2018). Leseförderung in heterogenen Lerngruppen – Potenziale kooperativer Methoden. Grundschule Deutsch, 63(4), 45–50.. Digitale Tools wie Mulingula-Praxis oder Amira ermöglichen den parallelen Zugang zu Texten in Herkunfts– bzw. Familiensprache und fördern dadurch Lesemotivation und Sprachbewusstheit 63Gailberger, C. (2013). Lautleseverfahren zur Förderung der Leseflüssigkeit. Kallmeyer.64Kutzelmann, S., Neumann, P., & Gold, A. (2018). Leseförderung in heterogenen Lerngruppen – Potenziale kooperativer Methoden. Grundschule Deutsch, 63(4), 45–50. in allen Sprachen.
Lautleseverfahren: Leseflüssigkeit gemeinsam trainieren
Lautleseverfahren sind zentral für den Aufbau der Leseflüssigkeit – sie fördern Lesegenauigkeit, Automatisierung, Lesegeschwindigkeit und Prosodie 65Rosebrock, C., Scherf, S., & Nix, D. (2021). Leseflüssigkeit fördern. Beltz.66Gailberger, C. (2021). Lese- und Schreibförderung in der Grundschule. Kallmeyer.. In mehrsprachigen Lerngruppen entfalten sie ihr Potenzial besonders in kooperativen Settings: Lautlesetandems verbinden Kinder mit unterschiedlichen Sprachständen – sie lernen voneinander durch Wiederholung („repeated reading“) und gemeinsames Üben. Methoden wie das Chorische Lesen, der Lesewürfel oder das mehrsprachige Vorlesetheater unterstützen die Einbindung der Herkunfts- bzw. Familiensprachen und stärken Ausdruck und Motivation 67Götz, M., Krammer, K., & Wildemann, A. (2017). Vorlesetheater als Methode der Leseförderung. In Praxis Deutsch, 261, 32–36.. Auch die Methode Hörbuchlesen kann mehrsprachig gestaltet werden und fördert das Zuhören, Mitlesen und Verstehen.
Lesezeit gestalten: Struktur, Vielfalt und Teilhabe
Empfehlenswerte Elemente sind z.B.:
- (Mehrsprachiges) Vorlesen: durch Lehrkräfte, Kinder oder Familienmitglieder – stärkt Identität und Lesefreude.
- Kontrastiver Sprachvergleich: Kinder erkennen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Sprachen, erweitern Wortschatz und Sprachbewusstsein.
- Eigene Sprachbiografie einbeziehen: z. B. durch Lesehefte zu Lieblingswörtern oder Büchern in mehreren Sprachen.
- Kooperative Lesemethoden: etwa reziprokes Lesen oder Lautlesetandems – fördern Austausch, Motivation und Textverständnis.
Vertiefende Informationen, konkrete Methoden und Materialien finden Sie im Praxispaket Mehrsprachigkeit (PPM)
Mehrsprachiges Vorlesen
Vorlesen gehört zu den schönsten und wirksamsten Ritualen im Grundschulalltag. Sie, als Lehrkraft, schaffen damit regelmäßig Lern- und Begegnungsräume, in denen Kinder Sprache, Geschichten und Gemeinschaft erleben. Das mehrsprachige Vorlesen erweitert dieses Potenzial: Es macht die Sprachenvielfalt Ihrer Klasse sichtbar, stärkt das Selbstkonzept mehrsprachiger Kinder und eröffnet allen Schülerinnen und Schülern interkulturelles Lernen 69Gantefort, C., & Maahs, I.-M. (2020). <em>Translanguaging. Mehrsprachige Kompetenzen von Lernenden im Unterricht aktivieren und wertschätzen.</em> Pro DaZ.70Oomen-Welke, I. (2020). <em>Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht.</em> In I. Gogolin, A. Hansen, S. McMonagle & D. Rauch (Hrsg.), <em>Handbuch Mehrsprachigkeit und Bildung</em> (S. 181–188). Springer..
Mehrsprachiges Vorlesen: Brücke zwischen Sprachen und Kulturen
Mehrsprachige Geschichten schaffen authentische Anlässe, Sprache als lebendiges, verbindendes Element zu erleben.
Sie fördern das Verständnis sprachlicher und kultureller Unterschiede und regen zu Sprachvergleichen an, die die metasprachliche Bewusstheit der Kinder stärken 71Neugebauer, C., & Nodari, C. (2012). <em>Förderung der Schulsprache in allen Fächern.</em> Schulverlag Plus.72Rösch, H. (2003). <em>Deutsch als Zweitsprache: Grundlagen, Übungsideen und Kopiervorlagen zur Sprachförderung.</em> Schroedel..
Besonders für Kinder mit anderen Familiensprachen kann das Vorlesen in der Herkunftssprache zur Identitätsstärkung beitragen, da ihre sprachliche und kulturelle Zugehörigkeit Anerkennung erfährt 73Gantefort, C., & Maahs, I.-M. (2020). <em>Translanguaging. Mehrsprachige Kompetenzen von Lernenden im Unterricht aktivieren und wertschätzen.</em> Pro DaZ.. Zugleich erweitern mehrsprachige Geschichten den Wortschatz und das Sprachverständnis aller Kinder, wenn sie bewusst in den Unterricht integriert werden 74Oomen-Welke, I. (2020). <em>Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht.</em> In I. Gogolin, A. Hansen, S. McMonagle & D. Rauch (Hrsg.), <em>Handbuch Mehrsprachigkeit und Bildung</em> (S. 181–188). Springer..
Didaktische Umsetzung: Vielfalt praktisch leben
Auch wenn Sie nicht alle Sprachen Ihrer Klasse sprechen – mehrsprachiges Vorlesen ist auf vielfältige Weise umsetzbar:
Einbindung mehrsprachiger Personen
Digitale Tools und Medien
Kreative Präsentationsformen
Anschlusskommunikation
Dialogisches Vorlesen: Sprache im Austausch erleben
Besonders effektiv ist das dialogische Vorlesen, bei dem Kinder aktiv in den Vorleseprozess eingebunden werden. Durch Fragen, Gespräche und Perspektivwechsel entstehen sprachförderliche Interaktionen, die Wortschatz, Sprachverständnis und Erzählfähigkeit gezielt unterstützen 76Bus, A. G., Van IJzendoorn, M. H., & Pellegrini, A. D. (1995). <em>Joint Book Reading Makes for Success in Learning to Read: A Meta-Analysis on Intergenerational Transmission of Literacy.</em> <em>Review of Educational Research, 65</em>(1), 1–21.77Niklas, F., Cohrssen, C., & Tayler, C. (2016a). <em>Parents Supporting Learning: A Non-Intensive Intervention Supporting Literacy and Numeracy in the Home Learning Environment.</em> <em>International Journal of Early Years Education, 24</em>(2), 121–142.78Müller-Brauers, C., Miosga, C., & Herz, C. (2021). <em>Animationen in Bilderbuch-Apps: Überlegungen zur Förderung des literarischen Verstehens und Handelns im inklusiven Deutschunterricht.</em> <em>MiDU – Medien im Deutschunterricht</em>, 1–19.. Zentrale Prinzipien des dialogischen Lesens sind:
- Involviertheit – Kinder erleben die Geschichte aktiv mit.
- Partnerorientierung – Interessen/Gedanken der Kinder werden aufgegriffen.
- Gemeinsames Denken – Austausch über Figuren und Handlungen fördert Verständnis und Empathie.
Diese Methode wirkt besonders motivierend, weil sie Kinder nicht nur zuhören, sondern mitdenken und mitsprechen lässt.
Vertiefende Informationen, konkrete Methoden und Materialien finden Sie im Praxispaket Mehrsprachigkeit (PPM):
Grammatische Strukturen entdecken
Förderung der Grammatik ist weit mehr als Regelvermittlung – er eröffnet Kindern den Zugang zu sprachlicher Bewusstheit, Ausdrucksfähigkeit und Sicherheit im Erlernen der deutschen Sprache.
Zentrale Bereiche der Grammatikförderung
Ein vertieftes Verständnis grammatischer Strukturen ist grundlegend für den Schriftspracherwerb und die mündliche Ausdrucksfähigkeit (Rösch, 2005). Besonders folgende Kernbereiche stellen häufige Lernherausforderungen dar und bieten zugleich große Lernchancen.
Diese Bereiche gelten als typische „Stolpersteine des Deutschen“ – besonders für mehrsprachige Kinder, die unterschiedliche grammatische (Sprach-)Systeme aktiv verknüpfen.
Nomen
Verben
Adjektive
Präpositionen
Passivkonstruktionen
Konjunktionen
Mehrsprachigkeit als Lernchance
Durch Sprachvergleiche entdecken Kinder Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Sprachen – ein zentraler Schritt zur metasprachlichen Bewusstheit 79Rösch, H. (2005). <em>Sprachbeobachtung und Sprachförderung in der Grundschule.</em> Schneider Verlag Hohengehren..
Beispiele
- Tabellen zum Sprachvergleich (z. B. für „und“, „aber“, „weil“) fördern grammatische Reflexion.
- Rollenspiele und Bewegungsübungen machen Präpositionen, Verben oder Adjektive erfahrbar.
- Kontrastive Aufgaben zur Passivbildung oder Wortbildung zeigen strukturelle Unterschiede zwischen Erst- und Zweitsprache.
Generatives Schreiben – Grammatik in kreativem Kontext
Das generative Schreiben verknüpft Grammatiklernen mit produktiven Schreibanlässen: Kinder erweitern Strukturen selbstständig, variieren Satzmuster und gestalten Texte nach eigenen Ideen.
So wird Grammatik nicht isoliert, sondern als Werkzeug für Ausdruck und Kreativität erlebt – eine Methode, die besonders mehrsprachige Kinder stärkt, weil sie Raum für Transfer und individuelle Sprachwege schafft.
Vertiefende Informationen, konkrete Methoden und Materialien finden Sie im Praxispaket Mehrsprachigkeit (PPM)
Quellen
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Lehmann, A., Pilz, A., & Sarich, T. (2013). Wortschatzarbeit im Deutschunterricht. In Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (Hrsg.), Sprachsensibler Fachunterricht. Handreichung zur Wortschatzarbeit in den Jahrgangsstufen 5 – 10 unter besonderer Berücksichtigung der Fachsprache. Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM).
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