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Prozessorientierter Schreibunterricht

Die Teilprozesse des Schreibens: Planen, Formulieren, Überarbeiten

Beim Schreiben von Texten spielen die Prozesse und Strategien des Planens, Formulierens und Überarbeitens eine wichtige Rolle. Wer mit der Hand auf Papier oder digital am Bildschirm schreibt, muss die eigenen Schreibziele, die Adressatinnen und Adressaten, aber auch bestimmte Textsorten und Textmuster im Blick haben. Wiederholt prüfen Schreibende im Prozess, ob ihr Text der Schreibabsicht entspricht. Schreiben betrachtet man daher auch als Problemlöseprozess.

Info

Schreibprozesse

Prozesse und Strategien des Planens, Schreibens und Überarbeitens werden beim Schreiben wiederkehrend angewendet.

Was stellen Schreibprozessmodelle dar?

Schreibprozesse laufen hauptsächlich in den Köpfen der Schreibenden ab. Sichtbar wird für die Lehrperson nur das Schreibprodukt, eventuell in verschiedenen Versionen. Um das Schreiben besser zu verstehen, werden Teilprozesse in unterschiedlichen Modellen dargestellt. Diese zeigen strukturelle Abläufe und Zusammenhänge in vereinfachter Form. Dabei fokussieren sich die Autorinnen und Autoren vor allem auf die Vermittlungsperspektive. Man möchte demnach eine Hilfestellung für Lehrpersonen geben.

John Hayes und Linda Flower betrachten seit 1980 das Schreiben als Problemlösen. Es steht in Beziehung zum Aufgabenumfeld und Langzeitgedächtnis. Ihr Modell geht von kompetenten Schreibenden aus 1Hayes, John/Flower, Linda (1980): Identifying the organization of writing processes. In: Gregg & Steinberg [Hg.]: Cognitive processes in writing. Hillsdale: Erlbaum. S. 3-30.. Mit diesem Modell ebneten Hayes & Flower in der schreibdidaktischen Forschung den Konsens, dass sich der Schreibprozess in das Planen, Formulieren und Überarbeiten einteilt. In den folgenden Jahren entwickelten sie ihr Schreibprozessmodell weiter 2Hayes, John/ Olinghouse, Natalie (2015). Can cognitive writing models inform the de-sign of the common core state standards? The Elementary School Journal, 115 (4), 480–497. Online unter: https://www.researchgate.net/publication/277927571_Can_Cognitive_Writing_Models_Inform_the_Design_of_the_Common_Core_State_Standards.. Dabei werden die einzelnen Teilprozesse noch weiter untergliedert. So gehören beispielsweise zum Planen etwa das Vorstrukturieren sowie das Finden, Prüfen und Ordnen von Ideen. Zum Formulieren zählen das Suchen, Prüfen und Auswählen von sprachlichen Formen. Das Überarbeiten hängt dann als Revidieren eng mit dem Formulieren zusammen, mitunter werden z.B. Überarbeitungen schon „im Kopf“ vor der eigentlichen Formulierung revidiert.

Michael Becker-Mrotzek und Ingrid Böttcher entwickelten ab 2006 dann ein Modell des Schreibprozesses in Kommunikations-Situationen 3Becker-Mrotzek, Michael & Böttcher, Ingrid (2006). Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen.. Hier sind antizipierte und/oder auch konkrete Leserinnen und Leser als Teil zerdehnter Sprechsituationen Teil des Schreibprozesses.

John Hayes und Linda Flower betrachten seit 1980 das Schreiben als Problemlösen. Es steht in Beziehung zum Aufgabenumfeld und Langzeitgedächtnis. Ihr Modell geht von kompetenten Schreibenden aus 1Hayes, John/Flower, Linda (1980): Identifying the organization of writing processes. In: Gregg & Steinberg [Hg.]: Cognitive processes in writing. Hillsdale: Erlbaum. S. 3-30.. Mit diesem Modell ebneten Hayes & Flower in der schreibdidaktischen Forschung den Konsens, dass sich der Schreibprozess in das Planen, Formulieren und Überarbeiten einteilt. In den folgenden Jahren entwickelten sie ihr Schreibprozessmodell weiter 2Hayes, John/ Olinghouse, Natalie (2015). Can cognitive writing models inform the de-sign of the common core state standards? The Elementary School Journal, 115 (4), 480–497. Online unter: https://www.researchgate.net/publication/277927571_Can_Cognitive_Writing_Models_Inform_the_Design_of_the_Common_Core_State_Standards.. Dabei werden die einzelnen Teilprozesse noch weiter untergliedert. So gehören beispielsweise zum Planen etwa das Vorstrukturieren sowie das Finden, Prüfen und Ordnen von Ideen. Zum Formulieren zählen das Suchen, Prüfen und Auswählen von sprachlichen Formen. Das Überarbeiten hängt dann als Revidieren eng mit dem Formulieren zusammen, mitunter werden z.B. Überarbeitungen schon „im Kopf“ vor der eigentlichen Formulierung revidiert.

Michael Becker-Mrotzek und Ingrid Böttcher entwickelten ab 2006 dann ein Modell des Schreibprozesses in Kommunikations-Situationen 3Becker-Mrotzek, Michael & Böttcher, Ingrid (2006). Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen.. Hier sind antizipierte und/oder auch konkrete Leserinnen und Leser als Teil zerdehnter Sprechsituationen Teil des Schreibprozesses.

Wie kann man Schreibunterricht prozessorientiert gestalten?

Lehrpersonen können den Schreibunterricht an den Phasen Planen, Formulieren und Überarbeiten orientieren. So werden die Teilprozesse des Schreibens für die Schreibenden in überschaubare Phasen zerlegt 7Fix, Martin (2008): Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht. Zürich: UTB. 2. Auflage..
Die Phasen lassen sich auch einzeln erarbeiten und üben, z.B. mit Hilfe von Planungs– und Überarbeitungshilfen. Stichwortzettel, Mind Maps oder der Rote Faden helfen beim Planen. Das Überarbeiten kann man bspw. mit der Textlupe oder Schreibkonferenzen unterstützen.
Ein Austausch über die Texte im Prozess kann die Textproduktion und Textqualität fördern 8Baurmann, Jürgen (2017): Schreiben – Überarbeiten – Beurteilen. Ein Arbeitsbuch zur Schreibdidaktik. Seelze: Klett Kallmeyer. 5. Auflage.. Kooperative Überarbeitungsmethoden wie z.B. Schreibkonferenzen bieten sich hierfür an.
Profilierte Schreibaufgaben greifen die Prozessorientierung auf (u.a. Adressaten-, Handlungsorientierung). Durch das Handlungswissen, welches Schülerinnen und Schüler im Prozess der Aufgabenbearbeitung aufbauen, lernen insbesondere leistungsschwache und spracharme Kinder bessere Texte zu schreiben 9Philipp, Maik (2022): Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik und der systematischen schulischen Schreibförderung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH..
Das Schreiben mit digitalen Tools kann Schülerinnen und Schüler in allen Schreibphasen unterstützen, vor allem beim Überarbeiten 10Schneider, Hansjakob/ Anskeit, Nadine (2017): Einsatz digitaler Schreibwerkzeuge. In: Becker-Mrotzek, Michael/ Grabowski, Joachim/ Steinhoff, Torsten (Hrsg.): Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik. Münster: Waxmann. S. 283-298.. In digitalen Umgebungen ist das Schreiben durch digitale Werkzeuge und Prozeduren mitbestimmt, beispielsweise durch die Aktionen copy & paste, Rückgängigmachen und Wiederherstellen und vieles mehr 11Krelle, Michael (2016): Schreibkompetenz und digitale Textformen. In: Knopf, Julia (Hrsg.): Medienvielfalt in der Deutschdidaktik. Erkenntnisse und Perspektiven für Theorie, Empirie und Praxis. 2., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Hohengehren: Baltmannsweiler Schneider Verlag. S. 87-88. 12Krelle, Michael (2021): Perspektiven auf eine schreibdidaktische Kultur der Digitalität. In: Krammer, Stefan/ Leichtfried, Matthias/ Pissarek, Markus (Hrsg.): Deutschunterricht im Zeichen der Digitalisierung. Innsbruck, Wien: StudienVerlag. S. 19-30.

Quellen

  • 1
    Hayes, John/Flower, Linda (1980): Identifying the organization of writing processes. In: Gregg & Steinberg [Hg.]: Cognitive processes in writing. Hillsdale: Erlbaum. S. 3-30.
  • 2
    Hayes, John/ Olinghouse, Natalie (2015). Can cognitive writing models inform the de-sign of the common core state standards? The Elementary School Journal, 115 (4), 480–497. Online unter: https://www.researchgate.net/publication/277927571_Can_Cognitive_Writing_Models_Inform_the_Design_of_the_Common_Core_State_Standards.
  • 3
    Becker-Mrotzek, Michael & Böttcher, Ingrid (2006). Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen.
  • 4
    Hayes, John/Flower, Linda (1980): Identifying the organization of writing processes. In: Gregg & Steinberg [Hg.]: Cognitive processes in writing. Hillsdale: Erlbaum. S. 3-30.
  • 5
    Hayes, John/ Olinghouse, Natalie (2015). Can cognitive writing models inform the de-sign of the common core state standards? The Elementary School Journal, 115 (4), 480–497. Online unter: https://www.researchgate.net/publication/277927571_Can_Cognitive_Writing_Models_Inform_the_Design_of_the_Common_Core_State_Standards.
  • 6
    Becker-Mrotzek, Michael & Böttcher, Ingrid (2006). Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen.
  • 7
    Fix, Martin (2008): Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht. Zürich: UTB. 2. Auflage.
  • 8
    Baurmann, Jürgen (2017): Schreiben – Überarbeiten – Beurteilen. Ein Arbeitsbuch zur Schreibdidaktik. Seelze: Klett Kallmeyer. 5. Auflage.
  • 9
    Philipp, Maik (2022): Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik und der systematischen schulischen Schreibförderung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH.
  • 10
    Schneider, Hansjakob/ Anskeit, Nadine (2017): Einsatz digitaler Schreibwerkzeuge. In: Becker-Mrotzek, Michael/ Grabowski, Joachim/ Steinhoff, Torsten (Hrsg.): Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik. Münster: Waxmann. S. 283-298.
  • 11
    Krelle, Michael (2016): Schreibkompetenz und digitale Textformen. In: Knopf, Julia (Hrsg.): Medienvielfalt in der Deutschdidaktik. Erkenntnisse und Perspektiven für Theorie, Empirie und Praxis. 2., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Hohengehren: Baltmannsweiler Schneider Verlag. S. 87-88.
  • 12
    Krelle, Michael (2021): Perspektiven auf eine schreibdidaktische Kultur der Digitalität. In: Krammer, Stefan/ Leichtfried, Matthias/ Pissarek, Markus (Hrsg.): Deutschunterricht im Zeichen der Digitalisierung. Innsbruck, Wien: StudienVerlag. S. 19-30

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